WARUM…ist Gold immer noch so billig?

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Diese provokante Frage prangt von der Titelseite der letzten Focus-Money-Ausgabe Nr. 31 im Juli 2014 und sie erstaunt deren Leser, ob Laien oder Profis rund um das Thema „Edelmetalle“, gleichermaßen! Denn die Gold-Laien – oder auch Gold-Ignoranten, da ihnen Focus Money sonst eher als wertpapierlastiges Wirtschaftsmagazin geläufig ist – wundern sich, da sie im Rausch ihrer Renditejagd zwischen Aktienboom und Immobilienblase selten oder nie einen Blick auf das „barbarische Relikt“ Gold geworfen hatten und dieses Metall plötzlich als unterbewertet gelten soll. Im Gegensatz dazu reiben sich makroökomisch versierte und somit edelmetallaffine Investoren bei dieser berechtigten Frage eher die Augen und grübeln, warum ausgerechnet jetzt ein Mainstream-Magazin mit dem Zaunpfahl winkt und auf einen Fakt verweist, der schon seit Ende 2013 besteht – günstige Einstiegspreise!

Nun, ich war tatsächlich gespannt, ob die in großen Lettern aufgeworfene Frage durch die Focus-Money-Redakteure plausibel beantwortet wird, und las die Bewertungen einzelner Indikatoren. Da geht es von der charttechnischen Situation des Goldpreisverlaufes über den Einfluss von Geldmengenwachstum und Zinsniveau auf Anlageentscheidungen bzw. –alternativen bis hin zur Analyse der Gesamtproduktionskosten des gelb glänzenden Metalls. Hier kann man dann auch Substantiiertes lesen: „Ein Vorteil des Goldes in Sachen Werterhalt ist, dass es nicht beliebig zu vermehren ist.“ Wie wahr! Und bekanntlich muss Knappes bei hoher Nachfrage im Preis steigen. Das tut Gold jedoch gerade nicht, obwohl sowohl Notenbanken als auch Privatinvestoren in den so genannten Schwellenländern wir verrückt Gold – und auch Silber – kaufen. Womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären…

Und weiter im Focus-Money-Text: „Gegenüber Gold werteten daher über die vergangenen zwei Jahrhunderte hinweg die großen Währungen wie Dollar, Pfund, Euro (Mark) und Yen stark ab. Gold hat seine Kaufkraft dagegen erhalten. Allein dies lässt einen langfristig leichten Anstieg des Goldpreises erwarten.“ Man erwartet also einen leichten Anstieg… langfristig, versteht sich! Was bedeutet „leicht“ und wie lange ist „langfristig“? Hier erhärtet sich der Verdacht, der oder die Autoren verstehen doch nicht wirklich, was Gold ist! Und dies trotz Laborierens an den richtigen Indizien. Gold IST Geld, und nichts sonst! Deshalb werteten alle Papierwährungen – obwohl sie zumindest bis zuletzt 1971 teilgedeckt mit Gold waren – ab, weil das physische, forderungsfreie Gold schlicht das härtere, bessere und seit Jahrtausenden bewährte Tausch- und Kaufkraftspeichermittel war. Und angesichts ausufernder Schuldenorgien auch noch ist!

Gnädigerweise erhielt das legendäre Edelmetall von Focus Money überwiegend grüne Pfeile. Als Argumente pro Gold! Allerdings bestätigt das Fazit einmal mehr die Unkenntnis der Artikelschreiber: „Langfristig dürfte der Goldpreis durch eine wachsende Nachfrage aus Asien positive Impulse erhalten. Dies wird das Preisniveau nach oben drücken. Doch kurzfristig sind die Gold-Bullen auf geopolitische Spannungen und Ängste um Währungsstabilität/Zusammenbruch des Finanzsystems angewiesen.“ Meine Mutter nannte solcherart Verhalten „Mit dem Hintern das wieder einreißen, was mit dem Verstand mühevoll aufgebaut wurde.“!

Dieses Fazit impliziert, dass wir Deutschen respektive Europäer im Gegensatz zu den Asiaten zu dumm sind, Gold als ultimative Absicherung gegen massive Verwerfungen am Finanzmarkt zu kaufen, obwohl nur zwei Seiten später Focus Money selbst eine „Warnung der Wächter“, nämlich der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, auch „Bank der Zentralbanken“ genannt, vor einer neuen Finanzmarktblase abdruckt! Damit nicht genug der Unlogik: Menschen, die Gold erwerben, sind im Grunde pessimistisch und handeln vor allem angstgetrieben, so das Fazit. Das Gegenteil trifft zu! Optimisten kaufen Gold, da sie um die fragile Struktur unseres Finanzsystems wissen. Angsthasen kaufen stattdessen Konservendosen! Und noch ein Fauxpas: Im folgenden Artikel des immer noch selben Magazins belegen die Focus-Money-Schreiber anhand der Entwicklung eines Autopreises über rund 100 Jahre, wie zuverlässig Gold „Kaufkraft absichert“, währenddessen sie zugleich – im Gegensatz zu den ängstlichen Gold-Bullen – das Vorhandensein einer Währungsstabilität grundsätzlich unterstellen? Es ist rechnerisch nachweisbar, dass keine Währung außer Gold und Silber über Jahrhunderte oder darüber hinaus die Kaufkraft zu speichern vermochte! Eine kürzlich veröffentlichte Studie von 599 Währungen in den letzten 1000 Jahren bewies, dass allein rund ein Drittel durch Hyperinflation eliminiert und alle jeweils durch neue Papierwährungen ersetzt worden sind. Die Frage ist also nicht ob, sondern nur WIE SCHNELL auch unsere heutigen Währungen, zumal sie sich zunehmend in der Virtualität des Internets verstecken, ihre von Volkswirtschaftslehrbüchern immer noch unterstellte Wertspeicherfunktion verlieren?

Mein Fazit zum Focus-Money-Beitrag lautet: wahrscheinlich gut gemeinter Versuch, sich einem diffizilen Thema zu nähern, jedoch schlicht abgerutscht bei den Schlussfolgerungen. Zudem wurde die Titelfrage definitiv nicht beantwortet! Insofern könnten neugierige und anspruchsvolle Leser von Focus Money frustriert von dannen ziehen und resümieren: erst heiß gemacht mit der Überschrift und nach dem Kauf der provokant aufgemachten Lektüre im Regen stehen gelassen… Zur Ehrenrettung von Focus-Money sei auf das Interview mit William White, dem langjährigen Chefvolkswirt der schon angeführten Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, verwiesen. Dieser beschrieb die bedenkliche Überschuldungssituation in unserer modernen Welt und beantwortete die Schlussfrage des Redakteurs, wie denn in dieser Situation Privatanleger ihr Geld investieren sollten, wie folgt: „…Der einzige Rat, den ich geben kann, lautet: Was bisher im Preis gestiegen ist, muss nicht immer weiter steigen.“

Umgekehrt könnte man auch formulieren: Interessant sind stets jene Investitionschancen, die nicht von der „Herde“ gesehen werden! Dies erfordert allerdings antizyklisches Denken und mutiges Handeln. So lohnen jetzt ein genauer Blick auf die und der Vergleich der Langfristcharts von DAX und DOW JONES sowie von Gold und Silber um zu erkennen, was Herr White meinen könnte. Auf diese Art erfahren Sie zwar nicht das Warum für billiges Gold und auch Silber – das entnehmen Sie einfach meinem Beitrag -, jedoch ganz sicher, DASS es aktuell eine gute Kaufgelegenheit signalisiert! Dazu müsste man nicht einmal Volks- oder Betriebswirtschaft studiert haben, denn bekanntlich sagen klare Bilder oft mehr als tausend Worte…

Dietmar Wilberg
Finanzplaner/MBA

Beitrag vom 5. August 2014 in Allgemein

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