Gold glänzt trotz Nebelkerzen

Gold_Nebelkerze

Was für eine Show – der „Grexit“, also der Ausstieg der hoffnungslos überschuldeten Griechen, wird immer wahrscheinlicher und eröffnet für andere Wackelkandidaten an der Südflanke Europas eine Nachahmungschance mit finaler Auflösung der Einheitswährung Euro, aber der DAX spurtet munter über die 11.000 Punkte-Marke! Ganz abgesehen von der anwachsenden Drohkulisse im Nahen und Mittleren Osten sowie in der Ukraine, die bei einer weiteren Eskalation – mit zwischenzeitlicher Ausnahme von Rüstungs- und Pharmakonzernen – nur Verlierer erzeugt.

Aber die Aktien-Party läuft weiter. Zwar wird auf morschen Dielen getanzt, jedoch übertüncht die mediale Ablenkungspropaganda wie Musik aus voll aufgedrehten Lautsprecherboxen in einer Diskothek jeden klaren Gedanken. Stellt man sich ein wenig abseits und beobachtet aufmerksam die Finanzmarkt- Szenerie, so kann man als aufgeklärter Investor nur den Kopf schütteln. Im abstrakten DAX tummeln sich namhafte Aktien wie beispielsweise jene der Lufthansa, die 2014 das atemberaubende Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 115 aufwies! Das heißt, der aktuelle Preis dieses „Wertpapieres “ widerspiegelt den 115fache Reingewinn des Unternehmens. Anders ausgedrückt: Sie kaufen derzeit viel zu teuer ein. Und dies gilt für fast alle Werte in diesem Index. Der Energieversorger RWE weist für dasselbe Jahr ein „Gewinnwachstum“ von knapp – 5 % aus, stellt aber für 2017 ein echtes Wachstum von gut + 32 % in Aussicht. Wie er dies wohl bewerkstelligen will? Achten Sie auf Ihre zukünftigen Stromabrechnungen… Klassenprimus Deutsche Bank kommt auf unglaubliche 100 % Gewinnwachstum in 2014 und dennoch auf das hohe KGV von 18,6, bei einer insolvenzverdächtigen Eigenkapitalquote von lächerlichen 3,4 %, wobei die Billionen schweren OTC-Geschäfte noch nicht einmal eingepreist sind! So weit, so absurd.

Auf der anderen Seite steht ein mit vielen ausfallgefährdeten Staatsanleihen überschwemmter Geldmarkt, der dem Anleger weder inflationsausgleichende Renditen noch Sicherheit verspricht. So wählt „Otto-Normal-Anleger“ gerade zwischen Pest und Cholera. Oder er entwickelt etwas „Phantasie“ und kauft oder besser borgt sich mit billigem Geld eine Immobilie. Weil in allen bunten Zeitungen widergekäut wird, dass Miete zahlen etwas für Dumme ist. Wirklich dumm ist nur, dass sich aufgehübschte „Steinhaufen“ in interessanten Lagen längst in einer Preisblase befinden! Anders ausgedrückt: man kauft bzw. finanziert „sein“ Eigenheim jetzt zum halben Zinssatz, jedoch zum doppelten Preis, verglichen mit fünf Jahren zuvor. Aber was macht es schon für einen Unterschied, ob man mit 250.000 oder 500.000 Euro bei der Bank in der Kreide steht? Einen gewaltigen, wenn man richtig rechnen kann!

Diversifizierung in den bekannten Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Immobilien funktioniert ganz offensichtlich nicht mehr. Unmengen von fehlgeleitetem, virtuellem Notenbankgeld, staatliche Markteingriffe und offensichtliche Manipulationen von Großbanken über Future-Börsen verhindern natürliche Preisbildungen gemäß Nachfrage und Angebot. Durch diesen dichten Nebel aus medialer Desorientierung und Verunsicherung der Privatanleger dringt immer deutlicher der Glanz der Edelmetalle. Gold und Silber wurden nach ihrem Preisverfall seit 2011 wenig beachtet. Kaum jemand scheint sich mehr für das seit Jahrtausenden bewährte „Hartgeld“ zu interessieren. Seit dem letzten Höchstkurs von Gold Anfang September 2011 fiel sein Preis um gut 35 %, der von Silber gar um fast 62 %! Dagegen verdoppelte sich der DAX-Kurs im Vergleichszeitraum. Wow!

So passiert aktuell das, was nach einer solchen Entwicklung immer passiert: der steile DAX-Chart heizt die Gier an, so dass viele bisher Zögerliche noch auf den längst am Limit rasenden Aktien-Zug aufspringen. Nur wenige Zeitgenossen nehmen hingegen die Adlerperspektive ein und realisieren, dass oft jene Anlagechancen am spannendsten sind, die von der Masse ignoriert werden. Je mehr Klarheit Sie darüber entwickeln, was antizyklisches Denken und Handeln bedeuten, desto eher finden Sie den Mut, sich bei Ihren Investments gegen den „Herdentrieb“ zu entscheiden. Und damit wären Sie nicht allein. Denn raten Sie einmal, wer seit 2012 systematisch vor allem das viel preiswerter gewordene Gold kauft? Nun, es sind viele Notenbanken, vor allem in den wirtschaftlich aufstrebenden Ländern Asiens und Lateinamerikas. Könnte es sein, dass jene Institutionen über mehr makroökonomische Analysekapazitäten verfügen als Sie und ich?

Wie man es auch dreht und wendet, die einfache Wahrheit ist: wir befinden uns im Anlagenotstand! Jetzt, da Aktien und Immobilien überteuert sind und Geldanlagen deutlich unterhalb der durchschnittlichen Teuerungsrate rentieren, ist es für Sie an der Zeit, signifikante Teile Ihres Ersparten vom Monopoly-Tisch zu nehmen und in physisches Edelmetall umzuwandeln. Angemessen sind laut Expertenmeinung mindestens 25 % des liquiden Vermögens. Angesichts der relativen Alternativlosigkeit dürfen es auch 50 % sein, denn die Geldmetallen Gold und Silber lassen sich mit den etwas unspektakuläreren aber ebenso edlen Schwestern Platin und Palladium ergänzen. Es geht also nicht mehr um maximale Rendite, sondern vorrangig um die konsequente Sicherung des angesparten Vermögens. Und noch etwas sollten Sie unbedingt beachten: im Gegensatz zu den in Deutschland so beliebten IMMOBILien sind Edelmetalle fungibel und jederzeit in Papiergeld rücktauschbar! Denn Sie wissen ja – nichts ist in unserem Leben so konstant wie die Veränderung.

So halten Sie sich einfach etwas fern von der (Wert)Papiergeld-Party und lassen Sie durch die dort erzeugten Nebelschwaden den ewigen Glanz von Gold und Silber auf sich wirken. Denn wie sagte es einst der langjährige FED-Vorsitzende Alan Greenspan: „Gold repräsentiert noch immer das ultimative Zahlungsmittel.“ Und erst vor kurzem brachte er es gegenüber der Financial Times erneut auf den Punkt: „Gold ist eine Währung.“ Dem füge ich noch hinzu: vergessen Sie keinesfalls das „Gold des kleinen Mannes“, nämlich Silber! Das aktuelle Gold-Silber-Ratio deutet auf ein erhebliches Preissteigerungspotenzial bei Silber hin…

Dietmar Wilberg

Finanzplaner/MBA

Beitrag vom 21. April 2015 in Allgemein

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